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Der Buchsbaumzünsler: Tipps für Vorsorge und natürliche Bekämpfung

Aktualisiert am

Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis)

Entwicklung und Fortpflanzungszyklus im Jahreslauf

In unserem Klima entwickeln sich in einem Jahr 2 – 3 Generationen des Buchsbaumzünslers. Bereits Mitte März / Anfang April, bei einer Temperatursumme von ca. 7 Tagen bei konstant über 7 °C  (lt. Erfahrungen des Pflanzenschutzamtes Berlin ca. 10 °C) fangen die überwinterten Raupen an, sich aus ihrem Gespinst im Inneren des Buchsbaumes nach außen zu fressen.

Raupen des Buchsbaumzünslers in verschiedenen Entwicklungsstadien

1) Raupen des Buchsbaumzünslers in verschiedenen Entwicklungsstadien ab März

 

Raupen des Buchsbaumzünslers, weiterentwickelt , 3,5 cm groß, beim Fressen der Buchsbaumblätter

2) Raupen des Buchsbaumzünslers, 3,5 cm groß, beim Fressen der Buchsbaumblätter

Die Raupen entwickeln sich weiter, verpuppen sich und im Frühjahr schlüpfen die Falter.

Der fertige Falter ist 4,5 cm groß, Grundfarbe weiß mit braunem Flügelrand und braunem Körper

3) Das fertige Insekt, der Buchsbaumzünsler als Falter

 

Die Weibchen werden begattet und legen am Ende ihres maximal 10 – tägigen Lebens ihre Eier in der charakteristischen Spiegeleiform an die Unterseite der Buchsbaumblättchen. Die Gelege sind fast transparent und daher schwer zu erkennen.

Eiablage des Buchsbaumzünslers an der Unterseite des Blattes, sieht aus wie Spiegeleier

4) Eigelege der Buchsbaumzünslerweibchen mit erster schlüpfender Jungraupe auf der Unterseite der Buchsbaumblätter

Bildquellen: Bilder 1,3,4 mit freundlicher Genehmigung des Pflanzenschutzamtes Berlin

Etwa drei Tage nach der Eiablage schlüpfen die kleinen Raupen. Nach 3 Wochen (bei >20 °C) bis 10 Wochen ( bei 15 °C) verpuppen sie sich in Kokons und werden nach ca. einer weiteren Woche wiederum zu Faltern.

Die Schmetterlinge sind nachtaktiv, aber auch bereits in der Dämmerung unterwegs und sitzen tagsüber oft auf der Blattunterseite anderer, benachbarter Pflanzen (also häufig nicht am Buchsbaum). Danach folgt die 2. Generation mit einem abgeschlossenen, schnellen Entwicklungszyklus (temperaturabhängig). Die letzte Generation des Buchsbaumzünslers entwickelt sich wieder bis zur kleinen Raupe, die in einem Gespinst im inneren, unteren Bereich des Buchsbaumes eingesponnen überwintert. Minus 12 Grad überstehen die Raupen in ihrem Winterquartier ohne Probleme.

Symptome

Der Beginn eines Befalls ist schwer auszumachen. Die Gespinste der überwinternden Raupen sind im Inneren der Pflanzen verborgen. Sie lassen sich entdecken, indem man die Zweige konsequent auseinander biegt und ins Zentrum schaut. Abgefressene und abgestorbene Blätter, vertrocknete sichelförmige Blattränder, hellgrüne bis schwarze Kothäufchen in den Gespinsten und auf dem Boden unter den Pflanzen und besonders die weißlichen Gespinste weisen auf den Befall hin. Neben braunen Puppenhülsen sind eventuell auch Räupchen zu entdecken, die in zusammengerollten Blättchen stecken.

Im Frühjahr (nach der Eiablage der aus den Winterraupen entstandenen Faltern) lassen sich die fast transparenten Eier an der Unterseite der Buchsbaumblättchen entdecken. Ein Weibchen kann bis zu 150 Eier absetzen, die in eiförmigen Gruppen zu etwa 20 Eiern unter die Blätter geheftet werden. Dabei bevorzugen sie Buchspflanzen, die noch nicht befallen sind. Anfangs sind die bald geschlüpften hellgrün-gelblichen Raupen nur etwa vier Millimeter groß und schaffen es bis zu einer Größe von etwa 8 mm nur, die weicheren Blattunterseiten von innen nach außen abzuschaben. Die geschädigten Blätter trocknen an diesen Stellen ein und bilden somit eines der Symptome. Mittlerweile erkennt man auch blattlose Zweige und die grüngelben, schwarzgestreiften und schwarzgepunkteten Raupen mit schwarzem Kopf, die im Endstadium nach 5 Häutungen bis zu 5 cm lang werden können. Werden die Blätter knapp, nagen sie auch die grüne Rinde der kleinen Zweige ab, was zum Absterben der Zweige führt.

Natürlich sind alle vom Buchsbaumzünsler angefressenen Pflanzenteile Eintrittspforten für pilzliche Schaderreger.

Bekämpfung

Regelmäßige Kontrolle ist die Basis der Bekämpfung. Bereits im Winter kann man auf vorhandene Gespinste kontrollieren und sie herausschneiden und im Hausmüll entsorgen oder verbrennen. Auch später zählt das mühsame Absammeln von Raupen und das Herausnehmen der Gespinste  zu den grundlegenden Maßnahmen. Bei größeren Buchsbaumpflanzungen ist das aber kaum machbar. Eine weitere Maßnahme ist das thermische Abtöten der Zünsler, indem die befallene Pflanze für einige Stunden bei Sonnenlicht in Folie eingepackt wird. Auch dies darf nicht übertrieben werden, sonst leidet die ganze Pflanze.

Eine gute Maßnahme ist der Rückschnitt zum richtigen Zeitpunkt: Wenn ich im März, wie ich es bereits im Beitrag Der Buchsbaumpilz: Vorbeugung und natürliche Bekämpfung beschrieben habe, einen Befall mit Buchsbaumpilz oder Buchsbaumzünsler festgestellt habe, lege ich eine große Plane mit Einschnitt für den Stamm unter den Strauch und schneide entdeckte Gespinste heraus und den ganzen Strauch zurück. Die gesammelten Pflanzenteile bringe ich dann in eine Feuertonne oder in geschlossenen Säcken zum Hausmüll. Auf Gründeponien habe ich bereits ganze Sortimente kranker Buchsbäume herumliegen sehen, in denen die Schädlinge sich munter weiter entwickeln und den Vermehrungszyklus fortführen. Wenn diese befallenen Pflanzen nicht sofort geschreddert und dann kompostiert werden, um in der entstehenden Hitze die Schädlinge abzutöten, wird so die Vermehrung des Buchsbaumzünslers noch gefördert.

Ende April / Mitte Mai kann ein Formschnitt erfolgen, wenn die jungen Triebe ca. zwei Zentimeter gewachsen sind. Da zu dieser Zeit die Schmetterlinge aus der überwinterten ersten Raupengeneration bereits geschlüpft sind und ihre Eier ablegen und zwar an der Peripherie der Buchsbäume, kann man mit etwas Timing viele Eigelege und / oder Jungraupen mit dem Rückschnitt entsorgen. Denn die Weibchen legen die Eier unter den äußeren Blättern des Buchsbaums ab und die Raupen ziehen sich erst nach dem ersten Fraß ins Innere der Pflanze zurück. Abschließend noch einmal ordentlich schütteln und die heruntergefallenen Raupen und Blätter mittels der Plane in die Feuertonne schütten.

Ende August / Anfang September erfolgt dann zusammen mit der Eiablage für die dritte Raupengeneration des Buchsbaumzünslers der zweite Formschnitt. Beide Schnittmaßnahmen können mit der Buchsbaumzünslerfalle koordiniert und optimiert werden (5-10 Tage nach Falterflug findet der Schlupf der Jungraupen aus den abgelegten Eiern statt). Lesen Sie hier, was die aktualisierten Kontrollen der Zünslerfallen ergeben haben. Auch dieser Schnitt sollte nur bei trockenem Wetter und nicht in praller Sonne durchgeführt werden.

Hochdruckdusche

Nach jedem dieser Schnitte kann auch die Wasserstrahl- oder Hochdruckreiniger-Methode durchgeführt werden, ebenfalls auf Folie. Empfehlenswert ist hier die Farbe blau, schwarz oder weiß, auf grüner Folie sind die Raupen nicht so gut zu erkennen. Der HD-Reiniger sollte eine Druckregulierung aufweisen oder muss in einem vernünftigen Abstand zur Pflanze gehalten werden, sonst ist der Schaden größer als der Nutzen. Besser ist ein Wasserschlauch mit Spritze, den ich von innen nach außen gründlich auf die Blattunterseiten führe. Hier werden die letzten befallenen Blätter und losen Schnittreste wieder zusammen mit Raupen und Puppen des Schädlings von den Pflanzen getrennt.

Algenkalk

Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit dem Einpudern der Pflanzen mit Algenkalk und / oder Basalt-Gesteinsmehl, was man anschließend nach Schnitt und Dusche durchführen kann, beide mit hemmender Wirkung auf Pilz und Falter und positiver Wirkung auf den Buchsbaum.

Algenkalk kann mit der Hand über den Buchsbaum gestreut werden oder besser, sparsamer, gleichmäßiger und feiner mit dem robusten Stäubegerät „Bobby 0,5“ von Birchmeyer.*

 

Pheromonfalle

Mit der Lockstoff-(Pheromon)-falle werden ganz selektiv die Männchen des Falters angelockt und gefangen. Mit ihr kann einerseits ein Buchsbaumzünslerbefall festgestellt werden, ohne den Buchsbaum selbst untersuchen zu müssen. Zudem wird die Zahl der Falter reduziert, eventuell bleiben etliche Weibchen unbefruchtet und die nächste Generation wird zahlenmäßig schwächer. Die Fallen werden in der Nähe des Buchsbaums platziert, idealerweise in Windrichtung zum Buchsbaum, und umstehenden Bäumen und Sträuchern, in denen die Weibchen den Tag verbringen.

BT-Präparate

Eine effektive Bekämpfung des Buchsbaumzünslers erfolgt aber mit biologischen Bazillus thuringiensis-Präparaten (BT), z.B. Raupenfrei Xentari, die selektiv nur auf Fraßschädlinge wirken, die die Toxine dieser Bakterien aufnehmen. Es besteht keinerlei Gefahr für Bienen und andere Nützlinge. Die Bekämpfung der kleinen, ersten beiden Raupenstadien, auf die das Bakterium tödlich wirkt, ist am schnellsten und effektivsten. Die größeren Raupen werden nicht mehr sofort getötet, stellen aber sehr bald die Fraßtätigkeit ein, was ebenfalls als Erfolg verbucht werden kann.

Die Packung enthält 25 g des BT-Präparates, die empfohlene Dosierung ist 1 g / l Wasser, der gestrichene Messlöffel entspricht 1,5 g , d.h. bei der unten beworbenen Spritze 2 Messlöffel auf 3 l Wasser. Das ist eine vernünftige Menge und die Spritze ist nicht so schwer und lässt sich gut handhaben.

Dieses bekämpfbare Stadium erreichen die Raupen in der Regel in der zweiten Aprilhälfte / Anfang Mai, bei der zweiten Faltergeneration Mitte bis Ende Juli und bei der dritten Faltergeneration im September. Zu diesen Zeitpunkten können BT-Präparate sehr erfolgreich eingesetzt werden.

Gute Indikatoren zur Ermittlung der optimalen Termine der gezielten Bekämpfung mit biologischen Bazillus thuringiensis-Präparaten sind Pheromonfallen (siehe oben). Die BT-Produkte kommen 5 bis 10 Tage (Ich habe diese Frist nach eigenen Erfahrungen von 10-20 Tagen reduziert, denn die Weibchen legen direkt nach der Begattung die Eier ab und bereits nach 3 Tagen schlüpfen die ersten Raupen), nachdem die ersten Falter entdeckt oder gefangen wurden zum Einsatz und werden mit einer Druck-Spritze gründlich auf die Pflanzen und besonders in das innere Strauchwerk aufgebracht. Um Nachzügler zu erwischen oder wenn es zwischendurch geregnet hatte, sollte die Behandlung nach einer Woche wiederholt werden. Besser als die kleinen Handsprühgeräte sind die Drucksprühgeräte mit 3 oder 5 l – Inhalt und einer längeren Sprühlanze, die auch ins Innere der Pflanzen reicht, ohne selbst bis zur Schulter im Strauch zu stecken.

Sind Sie an ausführlicheren Informationen, auch über die weiteren Schädlinge an Buchsbaum interessiert, bietet das Pflanzenschutzamt Berlin mit seiner PDF eine umfangreiche Ergänzung:

https://www.berlin.de/senuvk/pflanzenschutz/merkblaetter/de/download/buchsbaum.pdf