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Dickmaulrüssler natürlich bekämpfen!

Aktualisiert am

Der gefurchte Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) ist einer der bedeutendsten Schädlinge in den Baumschulen und in unseren Gärten.

fraßbild_des_dickmaulrüsslers_an_kletterhortensie

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Er verfügt über eine sehr üppige Speisekarte und ist überhaupt nicht wählerisch. Der Käfer befällt bei zusagenden Temperaturen etwa ab April nahezu alles, was grün ist. Besonders beliebt sind Gehölze mit etwas fleischigeren Blättern wie Rhododendron, Kirschlorbeer, Hortensie, Buchsbaum und Rosen, aber auch Erdbeeren, andere Beerenobstsorten, Datura, Clematis, sogar Eiben, Thuja und viele Staudenarten. Es sind viel mehr, die Aufzählung wäre sonst zu lang!

Am charakteristischen Buchtenfraß, halbkreisförmigen Fraßstellen entlang der Blattränder, erkennen Sie, dass ein Dickmaulrüssler sein Unwesen treibt. Diese halbrunden Blattverletzungen verlaufen bei stärkerem Befall nicht mehr nur an den Blatträndern, sondern setzen sich bis ins Zentrum     des Blattes fort.

Der Käfer ist nachtaktiv und versteckt sich tagsüber unter Blättern, der Streuschicht oder unter den Pflanzkübeln oder anderem Schutzbietendem.  Er kann nicht fliegen, kann aber größere Strecken flott zu Fuß zurücklegen und dank Krallen an den Füßen auch gut klettern. Er ist 10-15 mm groß und ist dunkelgrau bis schwarz. Von oben gesehen hat der Körper eine golfballartige Struktur mit Längsfurchen und am Kopf fällt der längliche Rüssel auf, an dem vorn die Mundwerkzeuge sitzen. Um ihn zu sehen, muss man bei Dunkelheit mit Taschenlampe unter den befallenen Pflanzen ausgelegte Bretter oder Töpfe umdrehen, unter denen er sich gern versteckt.

Das nutzt man bei der direkten Bekämpfung der Käfer mit Brettchen, die mit Nematoden bestückt sind, die den adulten Käfer angreifen.

 

Das Schadbild des Buchtenfraßes ist das Alarmzeichen, etwas gegen den Dickmaulrüssler zu tun

Die Fraßschäden der Käfer sehen zwar nicht schön aus, sind aber für die befallenen Pflanzen nicht bedrohlich.  Allerdings besteht die größte Gefahr der Käfer, die übrigens alle weiblich sind

Farnwedel links gesund, rechts nach Dickmaulrüsslerfaß

Hier sind fast nur noch die Blattadern übrig – Fraßschaden Dickmaulrüßler an Farn

(Jungfernzeugung, in unseren Breiten gibt es keine Männchen) in der Erzeugung von bis zu 1.000 Eiern in ihrem zwei- bis drei-jährigen Leben, die sich dann zu Larven entwickeln.

Diese Larven des Dickmaulrüsslers sind die wirkliche Gefahr. Sie werden bis 12 mm groß, sind beinlos, cremeweiß mit einer braunen Kopfkappe und sehen aus, wie man sich Engerlinge so vorstellt. Sie sind ebenfalls nicht zu sehen, da sie im Wurzelbereich der Pflanzen leben. Kleine Larven fressen zunächst die für die Wasseraufnahme besonders wichtigen Feinwurzeln an. Im Zuge ihrer Entwicklung fressen sie dann auch größere Wurzeln und Knollen oder nagen an der Rinde ober- und unterhalb des Wurzelhalses. Das zerstört dann endgültig das Stoffleitungssystem der Pflanzen, Wasser- und Nährstoffmangel tritt auf und die Pflanze stirbt vollständig ab. Überlebt die Pflanze, weil der Befall nicht ganz so stark war, sind die Fraßstellen Eintrittspforten für Pilze und Bakterien.

Der Lebenslauf des Dickmaulrüsslers

Um den Dickmaulrüssler optimal bekämpfen zu können, ist es wichtig, den Lebenszyklus zu kennen. Der Schädling überwintert als Larve im Boden. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist der Temperaturverlauf. Die ersten Dickmaulrüssler (als Käfer) schlüpfen im Mai aus der Verpuppung, die letzten erst im August. Es sind ausschließlich weibliche Tiere, die nach kurzer Reifezeit ohne Begattung von Juni bis September bis zu 1.000 Eier ablegen. Es gibt aber auch Käfer, die unter geschützten Bedingungen als Käfer überwintern, die dann bereits ab Mai ihre Eier legen. Zwei bis drei Wochen nach der Eiablage schlüpfen die ersten Larven und beginnen sofort zu fressen. Sie überwintern im Boden und verpuppen sich ab April. Rund drei Wochen nach der Verpuppung schlüpfen die ersten Käfer aus der Puppenhülle. Als Eiablageplätze bevorzugen sie eher sandige, lockere, möglichst humusreiche Böden im Wurzelbereich der Wirtspflanzen, d.h. in Pflanzkübeln und Dachgärten fühlen sie sich besonders wohl.

Optimaler Bekämpfungstermin für die natürliche, biologische Bekämpfung der Dickmaulrüssler mit Nematoden

Die besten Monate, um Dickmaulrüssler zu bekämpfen, sind im Frühling April bis Anfang Juni und im Herbst von Ende August bis Oktober. Dies ist deshalb so, weil sich der Schädling witterungsabhängig entwickelt. Optimal bekämpft werden können besonders die Larven. Es ist daher wichtig, alle Larvenstadien mit den Nematoden zu bekämpfen. Also ab April die Überwinterten und anschließend die aus den ab Mai sukzessiv gelegten Frühjahrseiern geschlüpften Larven.

Hier kommt dem Anwender die Entwicklung der Nematoden entgegen. Ab 12 °C, besser ab 15 °C suchen die Nematoden im Bodenwasser im optimal durchfeuchteten Pflanzsubstrat aktiv nach den Dickmaulrüssler-Larven, parasitieren sie und töten sie so nach 3-5 Tagen. Da sich die Fadenwürmer im absterbenden Körper der Dickmaulrüssler-Larven immer weitervermehren, entstehen bis zu 300.000 neue Nematoden je toter Larve, die nach 2-3 Wochen die tote Larve verlassen und nun ihrerseits weitere, auch laufend neu schlüpfende Larven befallen.

Ganz sicher kann man sich nicht sein, dass laufend neue Larven schlüpfen, so dass der Bestand an Nematoden immer genügend Nahrung vorfindet. Bei einer großen Masse an Nematoden sind natürlich auch sehr viele Larven bald abgetötet und die Nematoden haben anschließend vielleicht nichts mehr zu parasitieren und sterben dann selbst ab. Um sicher zu gehen, sollten deshalb im August neue Nematoden bestellt werden.

Sehen kann man die farblosen Nematoden nämlich auch nicht. Die Fadenwürmer der Gattung Heterorhabditis sind nur rund 0,1 bis 1 Millimeter lang – man kann sie deshalb nur unter dem Mikroskop sehen. Sie leben symbiotisch mit Bakterien zusammen und diese Bakterien sind die eigentlichen Killer der Dickmaulrüssler-Larven. Die Nematode setzt also nach dem Eindringen diese Bakterien frei und diese verdauen quasi die Schädlingslarve von innen und erschließen sie der Nematode als Nahrung.

Sowohl diese Bakterien als auch die Nematoden selbst sind für Mensch und Tier völlig ungiftig, obwohl es sich sehr nach einer biologischen Waffe aus einem Militärlabor anhört.

Die Bekämpfung – so gehen Sie vor:

      – Bestellen Sie ab Anfang April bis Anfang Oktober (damit die Nematoden bei ausreichender Temperatur noch etwas erreichen können), sobald Sie einen Befall (Buchtenfraß, kümmernde Pflanzen) festgestellt haben:

1 Mio HB-Nematoden  für  2 m² zur Bekämpfung des Dickmaulrüsslers

6 Mio HB-Nematoden für 12 m² zur Bekämpfung des Dickmaulrüsslers

10 Mio HB + SF-Nematoden für 20 m² zur Bekämpfung der Dickmaulrüsslerlarven  bis Ende Oktober

Fangbrett mit SC-Nematoden zur biologischen Bekämpfung von ausgewachsenen Dickmaulrüsslern

  • Ist die Lieferung der HB (Heterorhabditis bacteriophora) angekommen, sollte die Bodentemperatur am Tag des Ausbringens eine Temperatur von mindestens 12 Grad Celsius aufweisen, besser zwischen 15 und 25 Grad. Bei SF (Steinernema feltiae) und SC (Steinernema carpocapsae) darf es etwas kühler sein.  Sie arbeiten bereits ab etwa 8 Grad Celsius.
  • Bewässern Sie die befallene Pflanze. Die kleinen Würmer sind nämlich auf freies Wasser angewiesen, um sich fortbewegen zu können, keine Staunässe!
  • Meiden Sie Sonnenlicht, UV-Licht – Fadenwürmer vertragen kein UV-Licht, daher sollten Sie sie bei Dämmerung oder bedecktem Himmel arbeiten.
  • Schütten Sie den Inhalt des Beutels in eine Gießkanne und rühren Sie gut um. Gießen Sie damit den Wurzelbereich rund um die befallenen Pflanzen. Bei größeren Mengen bereiten Sie eine Stammlösung in einem Eimer und verteilen diese auf mehrere Gießkannen oder gießen Sie gleich mit dem Aquanemix von Birchmeier, den Sie einfach an einen Wasserschlauch anschließen und der die Nematoden optimal dosiert ausbringt.
  • Halten Sie den Boden während der folgenden Wochen , solange die Nematoden aktiv sind, feucht.
  • Wiederholen Sie die Maßnahme nach Bedarf im nächsten Frühjahr